1. GEWA

Vollfolierung in Chromgelb

Ausprobieren lohnt sich: Aus einem Experiment hat INTAX ein vollwertiges Design für ein Werbefahrzeug entwickelt.

Als sich Marco Kimme, Geschäftsführer des Oldenburger Unternehmens INTAX, für einen Mercedes AMG C43 als neues Dienstfahrzeug entschieden hatte, stellte sich für ihn als nächstes die Frage nach dem Design. Eine Folierung sollte es sein – wie für einen Verklebebetrieb nicht anders zu erwarten. Allerdings gebe es genügend Leute, „die mit nicht-, schlecht oder einfallslos folierten Fahrzeugen rumfahren“, sagt er. Marco Kimme wollte nicht zu dieser Gruppe gehören. Drei Faktoren galt es deshalb zu berücksichtigen: Zum einen sollte klar erkennbar sein, dass es sich nicht um eine Lackierung handelt. Zum anderen sollte der Mercedes nicht zu einer „knallbunten, rollenden Plakatwand“ werden. Und zu guter Letzt sollte das Design zu dessen sportlicher Optik passen. Kurz: Marco Kimme wollte etwas Neuartiges. „Wir finden es sehr spannend, zu analysieren, wie Marktbegleiter ausgefallene Folierungen wohl erstellt haben könnten“, sagt der Prokurist. Ein ungefährer Plan stand also fest. Auch eine geeignete Folie war schnell gefunden: Als INTAX noch über seine Folienoptionen nachdachte, brachte mactac gerade die Folie Tuningfilm 900 BF Flex­chrome­ auf den Markt. Die Oldenburger durften sie als langjährige Kunden des Folienherstellers testen. Da sich die Flexchrome-Folie zudem für das 3D-Verkleben eignet, entschied sich das Unternehmen dafür, sie in der gelb matten Chromvariante zu wrappen. Für ältere Projekte habe INTAX bereits Chromfolien mit digitalbedruckten transparenten Folien kombiniert, um einen bestimmten Effekt zu erzielen. Dieses Mal aber „wollten wir ein eher dunkles Design. Deshalb sollte das Chromgelb zwar mit drin sein, aber nicht überwiegen“, legt Marco Kimme den Gestaltungsplan dar.

Probieren geht über Studieren

Beim Bedrucken zeigte sich INTAX experimentierfreudig: Auf dem hauseigenen Lösemitteldrucker Colorpainter M-64s von Oki bedruckte das Unternehmen die Chromfolie direkt – obwohl sich diese eigentlich gar nicht dafür eignet. „Das Ergebnis wäre für viele reguläre Aufträge nicht nutzbar gewesen“, erinnert sich Marco Kimme. Denn auf den Flächen, auf denen hundertprozentig schwarz gedruckt wurde, entstand ein sehr dunkles Braun mit einem leichten Metalliceffekt, der erst im Sonnenlicht sichtbar wird. Der Effekt ist darauf zurückzuführen, dass der Druck nicht vollständig deckt und daher winzige Lücken lässt. Dort, wo mit Schwarz in Graustufen gearbeitet wurde, ergaben sich Bronzetöne. INTAX entschied sich dafür, dem Experiment eine Chance zu geben: „Jetzt hatten wir neben dem Grundmaterial auch die Art der Bedruckung und die gewünschten speziellen Effekte gefunden.“ Fehlte nur noch das Motiv.

Sportliche Sprenkel

In ihm sollte sich das sportliche Design spiegeln. Deshalb entschied sich INTAX, die Linienführung der Karosserie durch geschwungene, von Dekorlinien eingerahmte gelbe Flächen auf Fahrer- und Beifahrerseite herauszustellen. Zusätzlich zieren kleine Farbsprenkel den AMG: Sie finden sich in Schwarz auf den gelben Flächen und zum Heck hin zunehmend im Bronzeton beziehungsweise als negativ ausgesparte gelbe Lücken. Das Gestalten nahm einige Wochen in Anspruch – „gerade mit den eigenen Sachen geht man immer etwas länger schwanger, denke ich“, erklärt Marco Kimme. Der dritte Layoutversuch habe schließlich ungefähr dem Design entsprochen, das die Firma am Ende auf den Wagen brachte.

Erst digitalisieren, dann realisieren

Anschließend machte sich INTAX daran, die Flächenformen am Fahrzeug abzunehmen und zu digitalisieren. Die Umrisse der Seitenflächen, der Motorhaube und des Dachmittelstreifens wurden in Adobe Illustrator angepasst und in Ebenen angelegt, um sie mit der Farbsprenkel-Textur hinterlegen zu können. Neben dem Firmenlogo findet sich die Zahl 43 als einziges grafisches Element auf dem Mercedes: „Die 43 sollte den Startnummern-Charakter hervorheben und einen passenden Hinweis auf das Fahrzeugmodell geben“, erklärt der Prokurist. Insgesamt benötigten die Oldenburger für das Erstellen des Layouts zwei bis drei Tage, allerdings investierten sie pro Tag nur einige Stunden. Im Anschluss wurde das gesamte Design noch einmal auf dem Großformatdrucker mit einer Auflösung von 720 dpi und IP6-Tinten von Oki auf 24 Quadratmeter der Flexchrome gedruckt. Um ihn vor äußeren Einflüssen zu schützen, überzogen die Werbetechniker den Druck zusätzlich mit dem 50 Mikrometer dünnen, transparenten Laminat Shieldlam, ebenfalls von mactac. „Wir hätten auch ein Standardlaminat nehmen können“, sagt Marco Kimme, „hatten aber auch in anderen Fällen schon gute Erfahrungen mit Shieldlam gemacht.“ Für das Wrappen gerader Flächen benötigten zwei Folierer etwa eineinhalb Tage. Grill, Mercedes-Stern und sogar Autoschlüssel waren erst nachher an der Reihe. Alleine das Verkleben des Grills nahm circa vier Stunden in Anspruch, da die Diamanten alle einzeln foliert werden mussten. Bisher hält das Design: Auch nach 25.000 Kilometern sehe die Folie aus wie am ersten Tag, resümiert Marco Kimme zufrieden. Das Projekt hat sich also gelohnt, „auch wenn es eigentlich nie jemand zu sehen bekommt“.

Das Unternehmen:

1996 rüsteten die drei Firmengründer von INTAX noch eigene Funkmietwagen um. Heute, mehr als 20 Jahre später, beschäftigt das Oldenburger Unternehmen mehr als 100 Mitarbeiter auf 33.000 Quadratmetern Außenfläche und 4.500 Quadratmetern, auf denen Produktions-, Lager- und Büroflächen Platz finden. INTAX rüstet für seine Kunden, etwa Taxiunternehmen, Fahrzeughersteller oder Fahrschulen, Fahrzeuge technisch auf und foliert sie bei Bedarf.

 

Stefan Huber huber@wnp.de

Quelle: WERBETECHNIK, Ausgabe 01/2018 | Artikel als PDF